GEN-AU: der Funktion der Gene auf der Spur

Förderprogramm für Life-Sciences

GEN-AU ist das höchstdotierte thematische Forschungsprogramm in Österreich. Gefördert werden v.a. große interdisziplinäre kooperative Forschungsprojekte (Verbundprojekte) mit einer gemeinsamen thematischen Schwerpunktsetzung auf eine biologische Fragestellung.

13 Jahre forschten Genetiker weltweit, um das fertig aufgeschlüsselte menschliche Genom zu präsentieren. Im Juni 2003 lagen alle Buchstaben aus der Bibliothek des menschlichen Lebens, die DNA-Sequenz, in der richtigen Reihenfolge vor. Damit begann für Wissenschafter/innen in aller Welt aber erst die eigentliche Arbeit. Zuerst wird die Zahl der Gene und deren Position auf den Chromosomen ungefähr bestimmt, danach muss die Funktion der einzelnen Gene in jahrelanger Kleinarbeit erforscht werden.

 

Österreich beteiligt sich an der Mammutaufgabe nach diesen naturwissenschaftlichen Meilensteinen mit dem Genomforschungsprojekt GEN-AU (GENome Research in AUstria). Es wurde im September 2001 auf Empfehlung des Rates für Forschung und Technologieentwicklung gestartet und ist mit einem Gesamtvolumen von rund 100 Millionen Euro für neun Jahre das höchstdotierte thematische Forschungsprogramm in Österreich.

 

GEN-AU setzt auf die Stärkung, Bündelung und Vernetzung österreichischer Forschungskapazitäten in verschiedenen Projektschienen, um auch international einen Beitrag in diesem jungen Wissenschaftsfeld zu leisten.  

  • Verbundprojekte sind interdisziplinäre Projekte, in denen mehrere Forschungsteams zu einer gemeinsamen medizinischen Fragestellung kooperieren. Gemeinsame Forschungsanstrengungen zu Erkrankungen des Fettstoffwechsels oder der Ausbreitung von Krebszellen wurden schon abgeschlossen.
  • Netzwerke bestehen aus mehreren Forschungsgruppen, dienen der Entwicklung von Technologien und Methoden, bündeln Expertise und sind zugleich Trainings- und Ausbildungsplattform. Netzwerke für Bioinformatik und für Proteomik existieren bereits.
  • ELSA-Projekte beschäftigen sich interdiziplinär mit sozial- und geisteswissenschaftlichen Fragestellungen im Zusammenhang mit Genomforschung und deren Auswirkungen auf die Gesellschaft, insbesondere etwa am Beispiel der Frage der pränatale Diagnose.
  • Pilotprojekte haben zum Ziel, einen "Proof of Principle", die Prüfung der praktischen Realisierbarkeit von Ergebnissen und Erkenntnissen aus der wissenschaftlichen Grundlagenforschung in die Praxis zu erbringen. Hier wurden unter anderem schon Projekte zu Krebserkrankungen bei Kindern oder Pilztoxinen in Nahrungsmitteln behandelt.
  • Die GEN-AU SummerSchool ermöglicht Jugendlichen, erste Erfahrungen im wissenschaftlichen Arbeiten zu sammeln sowie den Laboralltag praxisnah zu erleben.

Die geballte Genomforschungskapazität österreichischer inner- und außeruniversitärer Forschungsstätten ist beteiligt. Neben den Universitäten in Wien, Graz, Linz, Klagenfurt Innsbruck und Salzburg, auch die Veterinärmedizin Wien, die Technischen Universitäten in Wien und Graz, die Medizinunis in Wien, Graz und Innsbruck, das Institut für Höhere Studien, die Universität für Bodenkultur, die Akademie der Wissenschaften, die Ludwig Boltzmann Gesellschaft, die Austrian Research Centers und namhafte Unternehmen wie Roche, Novartis, Siemens, Sun Microsystems oder Boehringer Ingelheim.

 

Für internationale Anbindung ist durch die Projektpartnerschaft von GEN-AU im Rahmen von vier Kooperationsinitiativen im Sechsten Rahmenprogramm der Europäischen Union, und einer transnationalen Initiative zur Forschungsförderung gesorgt.

 

In der ersten Phase von GEN-AU (bis 2005) wurden vier große Verbundprojekte, zwei Netzwerke zu Bioinformatik und Proteomik, sechs interdisziplinäre Pilotprojekte und sechs ELSA Projekte gefördert. Im Rahmen des Technologietransfers wurden rund 170 Publikationen nach patentwürdigen Erfindungen durchforstet und 15 Patente angemeldet. Vier Wissenschafter/innen haben Preise gewonnen und die GEN-AU SummerSchool-Jahrgänge verzeichneten 150 Absolvent/inn/en.

 

Im Rahmen der zweiten Phase von GEN-AU wurden in einem zweistufigen Auswahlverfahren bisher 22 Projekte, davon acht Verbundprojekte, vier Netzwerke, sieben Pilotprojekte und drei ELSA Projekte mit einem Gesamtvolumen von rund 28 Millionen ausgewählt. Rund 63,3 Prozent der Fördersumme fließen in universitäre Forschung, 12,6 Prozent erhalten Institutionen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 12,3 Prozent kommen der industriellen Forschung zugute und 11,8 Prozent der außeruniversitären  Forschung. Insgesamt werden in der zweiten Phase von GEN-AU etwa 160 Nachwuchswissenschafter/innen beschäftigt sein.     

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