Bildungs- und Berufsinformation

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Was tun nach der Matura?

Eine Frage, die schon vor der Reifeprüfung entschieden werden sollte. Die Anmeldefristen für Kollegs laufen ab den Semesterferien im Februar. Wenn man sich erst nach der Matura anmeldet, gibt es vielleicht noch Restplätze. Im September gibt es nur noch die Universität (mit Ausnahme der acht so genannten "Numerus-Clausus"-Fächer), wenn die Zulassungsprüfung für ein künstlerisches Studium oder einen Fachhochschul-Studiengang nicht klappt. Die Universität ist sicher keine schlechte Wahl, die Frage ist nur, ob sie die richtige ist. Das ist einer der ganz wichtigen Unterschiede zwischen der Schule und dem, was nachher kommt: Man muss selber planen und sich Termine setzen.


Welche Möglichkeiten man nach der Matura überhaupt hat und wie sich die Maturant/inn/en derzeit auf diese Bereiche verteilen, zeigt die folgende Übersicht:


In den auf die Matura folgenden drei Semestern nimmt ca. die Hälfte der Maturant/inn/en ein Studium an einer Universität auf. Die restlichen 50 Prozent treten entweder direkt ins Berufsleben ein, wählen eine berufsbezogene kürzere Ausbildung (wie Kolleg, Universitätslehrgang oder Fachhochschul-Studiengang) oder eine Akademie im sozialen oder medizinischen Bereich.
Die Broschüre "Universitäten/Hochschulen – Studium und Beruf" bietet eine Gesamtdarstellung der Studienmöglichkeiten an den österreichischen Universitäten und den Universitäten der Künste sowie einen Überblick über die damit verbundenen Berufsmöglichkeiten. Eine Studien(wahl)entscheidung nimmt – dies ist je nach gewähltem Studium sehr unterschiedlich – eine Berufsentscheidung nur bis zu einem gewissen Grad vorweg.


Die Broschüre soll dem einzelnen daher behilflich sein, eine realitätsgerechte Bildungsentscheidung zu treffen, indem er die mit bestimmten Studien verbundenen Berufsmöglichkeiten rechtzeitig zur Kenntnis nimmt. Dem Zweck dieser Broschüre entsprechend, nämlich eine überblicksartige Information zu vermitteln, geht sie nicht ins Detail. Umfassendere und detailliertere Informationen stehen in verschiedenen anderen Informationsmaterialien des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung, der Bundesgeschäftsstelle des Arbeitsmarktservice, der Universitäten und der Österreichischen Hochschüler/innen/schaft zur Verfügung, bzw. sind auf den Homepages der Universitäten und Fachhochschulstudien-Anbieter zu finden.

 

Alternativen zum Hochschulstudium:

Die vorliegende Broschüre informiert in erster Linie über Universitäts- und Hochschulstudien. Maturant/inn/en stehen jedoch neben diesen noch andere Möglichkeiten im nichtuniversitären, postsekundären Ausbildungsbereich offen:
Maturant/inn/en der allgemein bildenden höheren Schulen haben die Möglichkeit, in Kollegs einen berufsqualifizierenden Abschluss zu erwerben bzw. den einer berufsbildenden höheren Schule nachzuholen. Daneben gibt es verschiedene Akademien, die auf Lehr-, Sozial- und Gesundheitsberufe vorbereiten. Die Aufnahmekapazität dieser Bildungseinrichtungen ist jedoch begrenzt.

 

Fachhochschul-Studiengänge:

1993 wurde in Österreich die gesetzliche Grundlage für die Errichtung von Fachhochschul-Studiengängen geschaffen. Dieser neue, mindestens sechs Semester umfassende Bildungsweg soll eine wissenschaftlich fundierte und zugleich berufspraktisch orientierte Ausbildung vermitteln.


Seit dem Wintersemester 1994/95 werden Fachhochschul-Studiengänge in den Bereichen Technik, Wirtschaft sowie Tourismus und Medien angeboten. Mit Wintersemester 2001/02 wurden diese um den Bereich Soziales erweitert. Im Wintersemester 2007/08 kamen weitere Studiengänge aus dem medizinisch-technischen Bereich dazu.

 

Wer studiert überhaupt?

Mit steigenden Maturant/inn/enzahlen stieg auch der Zugang zu den Universitäten. Die Übertrittsrate von Personen mit Matura nach drei Semestern an wissenschaftliche Universitäten liegt 2004 bei 47 Prozent. Die höchsten Übertrittsraten des Maturajahres 2004 weisen Absolvent/inn/en einer Allgemeinbildenden höheren Schule in Langform mit 75 Prozent auf, die geringste Rate Absolvent/inn/en der Technischen und gewerblichen höheren Schulen mit 24 Prozent.

 

41 Prozent aller ordentlichen in- und ausländischen in Österreich erstmals an einer Universität zu einem Bachelor- oder Diplomstudium Zugelassenen des Studienjahres 2005/06 stammen aus einer AHS, 25 Prozent aus einer BHS. 9.055 (oder 28 Prozent) erstzugelassene ordentliche Studierende weisen eine ausländische Reifeprüfung oder einen ausländischen postsekundären Bildungsabschluss auf. Insgesamt 1.019 Erstzugelassene begannen das Studium aufgrund einer Berufsreifeprüfung, einer Studienberechtigungsprüfung oder einer Reifeprüfung für Erwachsene.

 

Die Univiersitäten

Fünfzehn Universitäten und sechs Universitäten der Künste bieten 301 Diplomstudien, davon 112 Unterrichtsfächer und 30 Diplomstudien mit 109 Studienzweigen, 211 Bachelor- und 278 Masterstudien sowie 67 Doktoratsstudien.


Die Universitäten erfüllen neben ihren Forschungsfunktionen die Aufgabe der wissenschaftlichen Berufsvorbildung für eine sich ständig ausweitende Palette von Berufen und Tätigkeitsbereichen. Gleichzeitig haben sie der stärkeren Nachfrage nach Bildung gerecht zu werden. Diese kommt am eindrucksvollsten in den steigenden Studierendenzahlen zum Ausdruck. Die Zahl der ordentlichen inländischen Studierenden betrug im Wintersemester 1980 knapp über 100.000 und stieg bis zum Wintersemester 2000 auf über 197.000, im Wintersemester 2006 waren es rund 170.000.

 

Hochschulzugang:

Zulassungsvoraussetzung für ein ordentliches Studium ist die Reifeprüfung. Diese ist in manchen Fällen durch Zusatzprüfungen zu ergänzen. Für ein Studium an einer der Universitäten der Künste muss eine Zulassungsprüfung abgelegt werden, in der die künstlerische Eignung nachzuweisen ist. Für Fachhochschul-Studiengänge bestehen eigene Aufnahmeverfahren. Darüber hinaus besteht ohne Matura die Möglichkeit, entweder über die Studienberechtigungsprüfung eine fachlich eingeschränkte Berechtigung für universitäre Studien sowie für Fachhochschul-Studiengänge zu erlangen oder die Berufsreifeprüfung abzulegen.


Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern gibt es in Österreich für Inländer/innen für die meisten Studien keine Zulassungsbeschränkungen. Für die Zulassung zu Medizin, Zahnmedizin, Veterinärmedizin, Pharmazie, Biologie und Molekulare Biologie, Psychologie, Publizistik sowie die Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlichen Studien gibt es eigene Zulassungsverfahren.

 

Dauer und Anforderungen:

Bei der Entscheidung für ein Universitätsstudium sollten der damit verbundene Aufwand an Zeit, Lernleistung und Geld sowie die Erfolgswahrscheinlichkeit in die Überlegungen einbezogen werden. Die meisten Universitätsstudien sind anspruchsvoll und lernintensiv. Über das Ausmaß der zu erwartenden Studienanforderungen können die verschiedenen Beratungsdienste Auskunft geben. Anhaltspunkte für den Umfang der Anforderungen sind das Ausmaß der zu absolvierenden Lehrveranstaltungen und die Anzahl der abzulegenden Prüfungen. Darüber geben die Studienpläne Auskunft.


Ein Diplomstudium, das ist die häufigste Form eines ordentlichen Studiums, stellt einen intensiven, meist auf mindestens acht bis elf Semester angelegten Lernprozess dar. In vielen Studien ist die Arbeitsbelastung größer als bei einer vollen Berufstätigkeit. Das erfordert außer Eignung und Interesse Fleiß und Ausdauer. Die größeren Freiheiten, die mit einem Hochschulstudium im Vergleich zur höheren Schule verbunden sind, verlangen ein erhebliches Ausmaß an Selbstständigkeit, Selbstverantwortung und Selbstdisziplin. Neben dem Lehrveranstaltungsbesuch kommt dem Selbststudium große Bedeutung zu.

 

Lernen an der Universität:

Das "Ich weiß, dass ich nichts weiß" des Sokrates ist für Studienanfänger/innen an der Universität eine kaum vermeidbare Lernerfahrung. Die erste und eine der schwersten Lektionen, die die Universität erteilt und die es aufzuarbeiten gilt, ist nämlich das Gefühl der eigenen intellektuellen Inkompetenz. Wissenschaft knüpft nicht an persönliche Erfahrungen und Interessen an. Sie ist abgehoben von der Alltagserfahrung, und in vielen Fächern stellt sie sich nicht die Frage nach ihrer praktischen Bedeutung. Das hat zur Folge, dass sich Studierende ein Wissen aneignen müssen, dessen Zweckmäßigkeit sie nicht von vornherein einsehen und das ihren persönlichen Interessen nicht unbedingt entgegenkommt. Die verbreitete Erwartung von Maturant/inn/en, man könne an der Universität endlich seinen persönlichen Neigungen und Interessen nachgehen, ist nur insofern richtig, als man ein bestimmtes Studium, eine wissenschaftliche Disziplin, ein Fachgebiet wählen kann. Man unterwirft sich damit aber auch den für dieses Studium oder für dieses wissenschaftliche Fach aufgestellten Regeln. Mit diesem Tatbestand umgehen zu lernen heißt, zu lernen, was jede andere Art von Arbeit auch verlangt, nämlich, sich und seine Bedürfnisse auch zurückstellen zu können.


In den einzelnen Studien sind die Lehrinhalte und der Prüfungsstoff auch ziemlich genau festgelegt. Dieser wird in Vorlesungen und anderen Typen von Lehrveranstaltungen angeboten und geprüft. Wie die/der einzelne Studierende sich dieses Wissen aber aneignet, bleibt ihr/ihm selbst überlassen. Den Studierenden an der Universität ist keine ähnlich feste Arbeitsorganisation und Zeiteinteilung für den Alltag vorgegeben wie den Schüler/inn/en an höheren Schulen.


Daraus ergeben sich zwei Anforderungen: Man muss vorwiegend selber in Erfahrung bringen, wie man am besten lernt. Und man muss sich das Lernen selbst organisieren und ein großes Maß an Selbstdisziplin aufbringen.
Um die neuen Situationen leichter zu bewältigen, bietet die Hochschüler/innen/schaft sogenannte Einführungstutorien an. In kleinen Gruppen werden hier Informationen ausgetauscht und sie bieten auch erste Kontaktmöglichkeiten zu Studienkolleg/inn/en. Aus solchen Kontakten können Lerngruppen selbst organisiert werden. Aber auch das Vorlesungsverzeichnis oder der Studienführer – wie diese Broschüren an manchen Universitäten auch genannt werden – bieten eine gute Übersicht über Tutorien und Einführungslehrveranstaltungen für Studienanfänger/innen.


Die Universität mag manchem anfangs wie ein Labyrinth erscheinen, vor allem während der Zulassungsphase. Man braucht Zeit, Tage, vielleicht sogar Wochen, um sich zurechtzufinden. Diese erste Phase kann entscheidend sein; es ist wichtig, sich nicht abschrecken zu lassen und gegebenenfalls die vorhandenen Beratungseinrichtungen in Anspruch zu nehmen. Die eigene Entscheidung aber kann kein Berater abnehmen.


Die Studierenden sollten sich schon im ersten Semester ein realistisches Arbeitspensum zurechtlegen, d. h. sich nicht überfordern. Aus der Überforderung kann ein massives Misserfolgserlebnis entstehen, so dass manche Studierende zu Unrecht zur Überzeugung kommen, sie wären einem Studium nicht gewachsen. Auf der anderen Seite ist die geläufige Vorstellung, man könnte erst einmal ein Semester der "großen Freiheit" opfern, in vielen Fällen ebenso verhängnisvoll.


Die erste Phase der Orientierung an der Universität ist mit der erfolgreichen Zulassung nicht abgeschlossen. Jede/r Studierende muss sich auf die vielfach neue Situation umstellen. Besonders im ersten Semester ist also nicht nur der Stoff der Vorlesungen, sondern auch der Umgang mit einer neuen Situation zu lernen: Umgang mit veränderten Lernanforderungen, mit einer neuen sozialen Situation, mit der Wissenschaft und ihrer Terminologie.

 

Studienfinanzierung:

Mit Wintersemester 2001 wurden Studienbeiträge in der Höhe von EUR 363,36 eingeführt. Daneben ist außer mit den Ausgaben für den laufenden Lebensunterhalt auch mit Ausgaben für Bücher und sonstige Lernbehelfe zu rechnen.
Wenn die entsprechenden Bedingungen erfüllt sind, besteht Anspruch auf finanzielle Studienbeihilfe. Die Höchstbeihilfe beträgt gegenwärtig für Selbsterhalter, verheiratete Studierende und unverheiratete Studierende EUR 7.272,–, für Studierende mit Kind EUR 7.992,– jährlich.

Etwa drei Viertel der Studierenden sind neben dem Studium in der einen oder anderen Form erwerbstätig, ein Teil bestreitet das Studium aus eigener Erwerbstätigkeit.

 

Das Universitätsstudium als Berufsvorbereitung:

Universitätsstudien sind nicht einfach eine Berufsausbildung auf höherem Niveau, sondern ein wissenschaftlicher Lernprozess, dessen Abschluss – nach Studien verschieden – eine engere oder weitere Palette beruflicher Möglichkeiten eröffnet. Das Universitätsgesetz 2002 spricht in diesem Zusammenhang von "wissenschaftlicher/künstlerischer Berufsvorbildung". Es werden jedoch auch die Entwicklung der Wissenschaften ("Selbstzweck" wissenschaftlichen Arbeitens) und die Bildung durch Wissenschaft ("Humanrelevanz" akademischer Studien) als generell gültige Studienziele angeführt. In den verschiedenen Typen von Studien werden die allgemein verbindlichen Studienziele in unterschiedlicher Gewichtung verwirklicht. So weist etwa ein Diplomstudium zur wissenschaftlichen oder wissenschaftlich-künstlerischen Berufsvorbildung für das Lehramt an höheren Schulen eine stärkere Berufsorientierung auf als ein geisteswissenschaftliches Doktoratsstudium.

 

Die Studienvorschriften schreiben aufgrund der eben dargelegten Prinzipien den Studierenden nicht in erster Linie die Erwerbung beruflich verwertbarer Kenntnisse und Fähigkeiten vor, sondern ein Studienprogramm, das vor allem fachwissenschaftlichen Gesichtspunkten entspricht. Sofern in einzelnen Studien eine stärkere Berufsorientierung angestrebt wird, geschieht dies durch Erweiterung des eigentlichen Fachstudiums durch die Vermittlung von Grundkenntnissen in zusätzlichen wissenschaftlichen Disziplinen, von denen man annimmt, dass sie für eine spätere Berufstätigkeit nützlich sein könnten. Als Beispiel sei auf die sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen Studien verwiesen.


In diesem Zusammenhang ist auf die studiengesetzlich vorgesehenen Möglichkeiten der individuellen Studiengestaltung hinzuweisen, die auch eine Spezialisierung für ein bestimmtes Berufsziel darstellen können.
Eine genaue Zuordnung bestimmter Studien zu bestimmten Berufen ist meist nicht möglich. In den einzelnen Studien werden die Absolvent/inn/en für ein schmäleres oder breiteres Spektrum von Berufen bzw. Berufsfeldern vorbereitet.

Die Universität vermittelt in der Regel eine allgemeine und theoretische Grundausbildung. Zusatzqualifikationen wie Fremdsprachen, betriebswirtschaftliches Know How, rhetorische Fähigkeiten und die viel zitierten sozialen Kompetenzen (Teamfähigkeit, Kommunikations- und Informationsfähigkeit etc.) müssen sich die Studierenden während des zweiten Studienabschnitts oder gleich nach Studienabschluss aneignen. Vielfach hängen höhere Arbeitsmarktchancen von diesen Zusatzqualifikationen ab. Die praktischen Kenntnisse und Fertigkeiten, die für eine bestimmte Berufstätigkeit notwendig sind, sind im Laufe der Berufsausübung zu erwerben. Universitätsstudien sind gewöhnlich in der allgemeinen und theoretischen Ausbildung eher "überqualifizierend", in der Vermittlung konkreter, praktischer und spezialisierter Kenntnisse und Fertigkeiten eher "unterqualifizierend". Die Fachhochschul-Studiengänge weisen einen sehr viel stärkeren Praxisbezug auf. Die durch das Studium erworbenen Qualifikationen müssen also entsprechend den Erfordernissen der Berufsausübung weiterentwickelt und angepasst werden.


Angesichts der raschen Veränderungen und der teilweise sich auflösenden Berufsstrukturen auf dem Arbeitsmarkt im Allgemeinen und auf dem Akademikermarkt im Besonderen ist es nicht unbedingt notwendig, fixe Vorstellungen vom zukünftigen Beruf zu entwickeln. Klare Berufsziele haben den Vorteil, dass bereits während des Studiums eine Spezialisierung möglich ist. Damit ist aber auch eine geringere Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt verbunden. Da auch in den nächsten Jahrzehnten weitere strukturelle Veränderungen der Akademikerbeschäftigung zu erwarten sind, wird sicher eine erhöhte Flexibilität vonseiten der Universitätsabsolvent/inn/en erforderlich sein.


Es ist daher sicher günstig, wenn man sich in seinen Berufsvorstellungen auf ein breiteres Spektrum möglicher Arbeitstätigkeiten einstellt.

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